1. Wintertour 2010

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Winterwanderritt  im Januar 2010 von Thüringen nach Franken

Am 1. Januar 2010 beschlossen 6 Reiter die Zeit um ca. 200 Jahre zurückzudrehen und sich wie damals die Trapper auf ihren Pferden zu fühlen.
Wir starteten in Hohenfelden im Horse Camp von Thilo Röth und unser Weg sollte uns durch den verschneiten Thüringer Wald nach Franken führen.
Wir hatten allerlei Vorbereitungen zu treffen: das Beschlagen der Pferde mit Schneeeinlagen und Schraubstollen an den Hufeisen, das Futter für die Pferde musste ermittelt und portionsweise abgepackt und auf 6 Pferde gleichmäßig verteilt werden. Das Packpferd Tamina sollte den Rest und auch den Proviant für uns, die große Bratpfanne, den Teekessel sowie etwas Werkzeug für Notfälle tragen. Für die langen, kalten Nächte packten wir die Schlafsäcke, Decken und Planen auf die Pferde.

Das Packpferd Tamina wurde geführt von Jens auf unserem erfahrendsten Pferd Albert. Thilo war auf seinem Hengst Skip unterwegs, Thomas, unser angehender Hufschmied, ritt auf seiner Fibi, Gero hatte Sabayel dabei und die Greenhörner Catrin und Harald aus Franken ritten auf Hildegard und Don Pedro.
Bei leichtem Schneetreiben verließen wir voll bepackt und bester Laune am Morgen den Hof von Thilo in Hohenfelden.

Obwohl einige Touren-unerfahrene Pferde dabei waren, wurde die Gruppe sehr schnell ruhig. Bewundernswert war Skip, der als junger Hengst in Gegenwart von 3 Stuten absolut gelassen die Gruppe anführte.
Da der Winter pünktlich zum Jahreswechsel zurückkehrte, war die Landschaft traumhaft. Ich glaube, wir alle hatten unsere Momente der Andacht als es durch die verschneiten
Wälder ging.
An diesem ersten Tag legten wir die angedachte Strecke zurück und bei Einbruch der Dunkelheit schlugen wir nach 10stündigem Ritt kurz hinter Königssee auf einer Anhöhe in einer Nadelwaldschonung unser Camp auf. Unsere tapferen Vierbeiner wurden mit Kraftfutter und Heucops versorgt und mit einer wärmenden Decke abgedeckt.  Das nötige Tränken erledigten wir unterwegs an den verschiedensten Quellen. Ein freundlicher Tankwart bot unseren Tieren sogar Wasser aus großen Eimern an (schönen Gruß an die Leute von der „Total“-Tanke in Königsee).
Wir Reiter waren müde und ausgehungert und mussten leider auf das Abendessen noch etwas länger warten, denn das gesammelte Brennholz war durch den vorausgegangen Eisregen nahezu unbrauchbar geworden. Mit viel Mühe, einem Schluck Absinth aus Thomas' Flachmann und Thilos geraspeltem Kerzenwachs gelang es dann doch, ein Feuerchen zu entfachen und das mitgeführte Rindfleisch in der Pfanne zu brutzeln. Bis der Schnee im Teekessel zu warmem Teewasser wurde war es dann allerdings schon nach Mitternacht.

Nachts war es sehr ruhig. Man schläft sehr gut an der frischen Luft und das vereinzelte Brummeln der Pferde beruhigt herrlich. Am nächsten Morgen erwachten wir unter einer „isolierenden“ Schneedecke und für Jens entbrannte dann der Jahrtausende alte Kampf „ Jens gegen Reißverschluss vom Schlafsack“, welchen der Reißverschluss, wie immer, gewann.
 
Wir begannen den Tag mit Pferde füttern und führten die Pferde ins nächstgelegene Dorf, um selbst zu frühstücken. Eine liebe ältere Dame aus dem 1. Stock des Lebensmittelladens bot uns frisch gebrühten Kaffee an und für die Pferde hatte der Betreiber des Edeka seine Vorratskammer geplündert und gelbe Rüben und trockenes Brot gefüttert.
Die 2. Etappe ging über den Masserberg auf die Wurzelbergwiese mit 828,5 m üNN, dem höchsten Punkt unseres Ritts. Die Wege waren unter dem neuen Schnee teilweise so vereist, dass wir oft abstiegen und die Pferde führen mussten. Aber so hatte man wenigstens ab und an die Gelegenheit seine Füße aufzutauen.
Am Abend, bei dichtem Schneetreiben, trafen wir in Siegmundsburg auf unseren Lebensretter Martin: Ursprünglich wollten wir außerhalb von Siegmundsburg ein Camp suchen. Aber die hereinbrechende Nacht, die mehr als unsichere Aussicht auf Brennholz für ein Lagerfeuer und die teilweise feuchte Ausrüstung „ermutigten“ uns, die Klingel des letzten Hauses von Sigmundsburg zu betätigen. Nach 2 Minuten stand Martin in der Tür. Wir fragten ob wir hinter seinem Haus unser Camp aufschlagen könnten und ob er etwas trockenes Holz für ein Feuer und geeignete Anbindemöglichkeiten für die Pferde hätte. Martin hatte etwas viel Besseres; er hatte ein verdammt großes Herz, einen Heizungskeller für die nassen Klamotten und genug Platz als Single in seinem Haus. Unser mitgebrachtes Essen durften wir in seiner Küche zubereiten und reichte für uns alle.

Am nächsten Tag erwachten wir u.a. in Martins Doppelbett oder auf dem Boden daneben. Martin selbst nächtigte in seinem Wohnzimmer auf der Couch.
Unsere Pferde hatten wir am Brückengeländer über dem Wildbach angebunden. Wir wissen nicht, was der Schneepflugfahrer am nächsten Morgen gedacht haben muss, als er an der Brücke wegen der dort angebundenen Pferde wieder wenden musste…

Der Abstieg auf der Südseite des Thüringer Waldes ging recht flott, so dass wir gegen Mittag auf den Radwanderweg nach Coburg einfädelten. Weil auf diesem Radweg das Reiten strengstens verboten ist und uns im 20cm tiefen Schnee auch ständig Radwanderer entgegen kamen, ritten wir natürlich immer neben diesem Weg. Pionierehrenwort!

Nach diesem ereignisreichen Tag mit netten Begegnungen beendeten wir die 3. Etappe an einem Reiterhof in Rödental bei Coburg, wo bereits die Pferdehänger auf uns warteten.

Als Fazit nehmen wir mit: das Leben früher war vielleicht besser, leichter war es gewiss nicht.