Wanderritt durch Böhmen – acht Reiter und ein Packpferd
Tagebuchauszüge von Ute Stefan
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Montag, 12. Juli 2004
Um sechs Uhr ist die Nacht zu Ende. Zu aller Erstaunen sind die Pferde noch da!
Da Napoleon ein Eisen fehlt, reiten die ersten drei los, um im nächsten Ort einen Hufschmied zu suchen. Wir rücken nach einer halben Stunde auch ab. Nach erster Freude (die drei haben eine Telefonnummer von einem Hufschmied), dann doch Enttäuschung! Er ist nicht erreichbar. Also reiten wir weiter nach Krasov um Frühstück einzukaufen.
Zufällig bekommen wir von einem netten Tschechen, (der nebenbei bemerkt Goldschmied für Westernschmuck ist), die Auskunft, wo wir einen Schmied finden. Ca. 6 km weiter in Vodna. Das liegt zwar nicht genau auf unserer Tour, aber die Richtung stimmt!
Erst mal gibt es Frühstück. Da es in Strömen regnet, finden wir Unterschlupf in einer nicht ganz piksauberen Bushaltestelle. Aber besser als im Regen zu essen. Es gibt frische Hörnchen, Wurst, Käse, Marmelade, Schokocreme und Milch. Den Kaffe denken wir uns dazu. Es regnet weniger, also reiten wir weiter.
Vom Hufschmied geht es dann fast nur noch auf Straße weiter. Die Pferde und wir werden allmählich pflastermüde. In Teblice nehmen wir ein üppiges Mittagessen ein. Dann geht es weiter.
Gegen 18 Uhr haben wir eine geeignete Stelle für die Pferde und uns gefunden. Wir schlagen unser Camp auf.
Ca. 20 Uhr gibt es Abendbrot. Wir essen, was wir finden ("Wurzeln, Blätter, Rinde") mit musikalischer Untermalung. Olaf spielt super Gitarre und Jule hat die perfekte Soulstimme dazu. 24 Uhr ist Bettruhe!
Gegen 1 Uhr werden wir ziemlich unsanft geweckt. Toni stößt laute Schreie aus. Ein paar Pferde rennen knapp an seinem Schlafplatz vorbei. (Tja, hätte er sich mal mit zu uns gelegt.) Tamina, Red Bull und Snicker fanden wohl das Gras außerhalb der Einzäunung wesentlicher köstlicher. Ich schlafe, Gott sei Dank, in voller Montur und stehe schnell mit meiner Taschenlampe auf der Lichtung. Andere haben so ihre Schwierigkeiten Hose und Schuhe zu finden.
In dieser Nacht können wir einen Rehbock und seine Ricke hören. Nach einer knappen halben Stunde haben wir die Ausreißer. Zur Strafe müssen sie nun den Rest der Nacht angebunden verbringen. Wir schlafen ruhig wieder ein.
Dienstag, 13. Juli 2004
Nachdem es frühs um sechs regnet, schlafen wir weiter bis sieben Uhr. Wieder wird gesattelt und das Camp aufgeräumt. Um 10 Uhr ist Abmarsch. Wieder im Regen! Diesmal geht es ständig steil bergauf und bergab. Es ist sehr steinig. Wir erleben unberührte Natur. Nur selten stoßen wir auf Menschen, reiten durch wildromantische Täler.
Zwischendurch probiert Jule eine neue Art abzusteigen aus. Ihr Pony will fressen. Der Sattel rutscht samt Jule über Hals und Kopf ihres Pferdes und kommt nach einem Schritt seitwärts, neben dem Pony zu liegen. Und das fast in Zeitlupe! Vor Lachen kann sie kaum wieder aufstehen. Nach erneutem Satteln geht es weiter.
Unser Ziel ist die Goethestadt Loket. Es ist ein sehr schönes kleines Städtchen! Bevor wir uns der Kultur widmen, brauchen wir dringend etwas zum Essen. Die Pferde binden wir auf dem Burgplatz an und laufen hinunter in das Örtchen. Wir werden fotografiert. Allzu oft kommen hier wahrscheinlich keine Cowboys und Cowgirls vorbei. Wir kehren im Goethe-Hotel ein. Es ist inzwischen 12.30 Uhr. Heute gibt es Frühstück und Mittag in einem. Wieder mal ist das Essen lecker.
Danach sehen wir uns die Burg an. Das Interessanteste für alle ist, glaube ich, die Folterkammer. Sie ist mit beweglichen Puppen und Stöhnen und Schreien aus Lautsprechern ziemlich originalgetreu nachgestellt. Mit Kindern sollte man diesen Ort meiden.
Wir gehen noch schnell etwas einkaufen (Käse, Wurst, Schokolade, Rum). Nachdem wir durch alle Lebensmittelgeschäfte durch sind, gibt es in ganz Loket keine Haferflocken mehr, (unsere Pferde werden sich freuen). Ca. 16 Uhr reiten wir weiter. Unsere Sättel halten alle nicht mehr richtig. Wieder rutschen zwei ab. Diesmal aber seitlich.
Wir suchen ein Camp. In der Ferne wird ein Ziel gesichtet. Leider entpuppt es sich aber schon als belegt (Friedhof). Erst um 18.30 Uhr finden wir einen geeigneten Platz. Die Pferde werden versorgt, wieder Koppel gebaut und wie jeden Abend eine Plane gespannt. Das Abendbrot wird zubereitet. Tortellinis mit Knoblauchei. Das Feuer wird mit Birkenrinde angebrannt. Natürlich fängt es wieder an zu regnen. Schnell spannen wir eine Plane über Thilo und die Kochstelle. Wir bilden die Ecken als lebende Pfosten. Gegessen wird auf dem von Nadeln übersäten Waldboden.
Es ist inzwischen dunkel, aber wir haben Kerzenlicht. Es ist sehr idyllisch. Das Essen schmeckt köstlich. Noch bekommt jeder ein paar Schluck Rum und wir begeben uns zur Nachtruhe. Morgen soll es schönes Wetter werden!






