Wanderritt durch Böhmen – acht Reiter und ein Packpferd
Tagebuchauszüge von Ute Stefan
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Mittwoch, 14. Juli 2004
Zu unserem großen Erstaunen scheint uns heute morgen die Sonne ins Gesicht. Da fällt das Aufstehen um sechs Uhr ganz leicht! Die Pferde sind nicht ausgebrochen!
7.30 Uhr gibt es Kaffee. Es ist bewölkt und die Sonne scheint nicht mehr. 8.00 Uhr ist das Knoblauchei fertig. Ich hätte nie gedacht, daß man so was zum Frühstück essen kann! Aber es schmeckt.
Um 10 Uhr brechen wir auf. Es scheint immer noch keine Sonne. Stundenlang reiten wir durch einsame Wälder mit kleinen Hexenhäusern.
Wir kommen bis auf 900 m hoch. Es ist merklich kühler. Im Winter ist es hier sicher sehr rauh und ungemütlich. Strolch verschwindet das zweite Mal im Sumpf. Er schafft es auch diesmal aus eigener Kraft heraus. Ich bin froh, daß ich nicht als Erste reiten muß! Wir suchen vergeblich eine Gaststätte zum Mittagessen.
Mit Hilfe von Rüdiger finden wir 17.30 Uhr endlich eine in Klazka. Es ist ein Nobelrestaurant mit exquisitem Essen. Nach vier Tagen ohne Waschen kommen uns die Kellner schon nicht mehr so nah. Ich frag mich nur warum!
Diesmal kann Anett nicht mitessen. Sie hat starke Kreislaufstörungen. Wahrscheinlich war die Zeit von Frühstück bis Mittag (18.00 Uhr) doch zu lang. Das Essen ist genial.
Nun müssen wir zusehen, daß wir einen Platz für unser Camp ausfindig machen. Der Wirt gibt uns einen Tipp, wo wir geeignete Wiesen finden.
Wir führen unsere Pferde, da sie heute schon viel geleistet haben. Nach einem knappen Kilometer müssen Thilo und ich feststellen, daß unser Zaumzeug fehlt. Das heißt für uns zwei, die ganze Strecke im Sturmschritt hin und wieder zurück. Bis jetzt hatte ich noch keine Blase an den Füßen. Aber das hat sich nun geändert. Wieder zurück, geht es per Pferd weiter. Nach ca. 5 km findet Thilo ein Traumcamp für unsere Pferde. Eine satte, fette Rückepferdkoppel.
Unterwegs singen wir "Bruder Jacob", "Auf der Mauer" und das "Rennsteiglied". Wieder spannen wir eine Plane. Toni und Matthias bauen sich ihren eigenen Schlafplatz. Eigentlich bin ich der Meinung, daß es heute Nacht nicht regnet. Ich möchte endlich einmal unter freiem Himmel schlafen. Zehn Minuten später fängt es zur Abwechslung mal wieder an zu regnen.
Wir trinken zum erwärmen "Lum" und Olaf spielt Gitarre. Es ist unheimlich gemütlich! 22.30 Uhr. Es regnet immer noch. Wir schlafen sicher gut!
Morgen ist die Brauerei in Chodovar geplant, und da scheint sicher die Sonne!
Donnerstag, 15. Juli 2004
Es regnet! Gegen fünf in der Frühe kommt Toni zu uns, da sein Schlafsack naß ist. Meine Jacke liegt dummerweise auch äußerst ungünstig. Sie ist vollkommen durch. Nur gut, daß ich noch einen Mantel habe!
6 Uhr wecken! Das Frühstück fällt heute aus! Wir wollen aus den Bergen weg und hoffen unten auf besseres Wetter.
Um 10Uhr regnet es noch immer ziemlich stark. Frühstück fällt doch nicht aus! Wir essen einige Reste Käse und Wurst und Olaf spielt dazu Gitarre. Wieder haben wir kein Wasser zum Waschen (egal, riecht ja keiner).
Gegen 10.30 Uhr hört es auf zu regnen.
Wir packen und satteln. Heute ist Matthias mal Erster (sonst fast immer Letzter). 12 Uhr Abmarsch in Richtung "Nimrod", die Handschlag-gaststätte. Wir machen hier spätes Mittag. Es regnet immer noch. Wir entscheiden uns fast einstimmig nicht weiterzureiten. Dafür nehmen wir das Gepäck von den Pferden und machen einen rasanten Galopp durch den Sumpf (einfach super). Pferd und Reiter toben sich mal richtig aus und haben ersichtlich Spaß daran. Jetzt sind wir restlos verdreckt!
Indessen kümmert sich der Wirt bestens. Wir bekommen Kraftfutter für unsere Pferde, einen trockenen Schlafplatz und Abendessen (Ich glaube abends ist sonst nicht geöffnet). Die Dusche lehnen wir ab. Sie ist nicht ganz lupenrein und unsere Sachen müffeln inzwischen auch schon so, daß keiner frisch geduscht sie wieder anziehen möchte.
Nach dem Abendbrot wird wieder die Gitarre rausgeholt. Diesmal bekommen wir Gesellschaft von der ganzen Familie des Wirtes. Frau Wirtin backt einen Heidelbeerkuchen für uns zum Frühstück. Sie ist "begeistert", daß wir morgen in der Frühe gern einen Kaffee möchten.
Um Mitternacht begeben wir uns in unsere Schlafsäcke. Für heute haben wir einen Spruch zur Nacht von Matthias. "Mit Slivovitz schlaf ich fix". Und morgen scheint sicher die Sonne!





