Wanderritt durch Böhmen – acht Reiter und ein Packpferd
Tagebuchauszüge von Ute Stefan

Seite: « zurück | 1 | 2 | 3 | 4 | 5vor »

Auch die Besichtigung der Stadtkirche steht auf dem Programm.
Blick in die Landschaft.
Durchgeweicht und zum Trocknen aufgehängt.
"Einzug" in die Stadt.

Freitag, 16. Juli 2004
Um 5 Uhr Aufstehen! Es regnet! Na so was! Das ist ja mal was ganz anderes!

Unser Bett war trocken aber hart. Die meisten schliefen aber sowieso nicht. Napoleon kratzte mit seinen Hufeisen in unserem Schlafzimmer auf dem Betonboden. Snickers und Lady wollten immer mit in unsere Betten. Waschen fällt aus. Dummerweise sind alle Türen abgeschlossen. Wir packen alles zusammen und putzen uns nur die Zähne (wie jeden Morgen).

Um 7 Uhr gibt es Kaffee mit Heidelbeerkuchen.

Gegen 7.30 Uhr brechen wir auf in Richtung Marienbad und dann weiter nach Chodowar.

Unterwegs kommen wir an eine glitschige, teilweise morsche Brücke mit fatalen Folgen. Unser Adrenalinspiegel wird diesmal bis aufs Äußerste hochgepumpt. Sieben der Pferde brechen ein. Sie lassen sich nicht neben der Brücke vorbeiführen. Obwohl sie alle sehen, daß das Pferd zuvor nicht über die Brücke kommt, springen sie nervös drauf und krachen ein. Eigentlich hatte ich Pferde immer intelligenter eingeschätzt. Nur Napoleon und Snickers bleiben ruhig. Tamina nimmt gleich Thilo mit durch die Seitenabsperrung. Ich vermute, seine Rippen sind geprellt. Erstaunlicherweise fehlen keine Hufeisen! Den Pferden geht es, Gott sei Dank, gut. Sie haben nur kleine Kratzer! Und was machen sie? – Als wäre nichts gewesen, fressen sie! Das ist Abenteuer pur!

Die Brücke ist nun nicht mehr zu gebrauchen! Aber sie war so schon morsch! Bis Marienbad geh es dann weiter ohne besondere Vorkommnisse.

Aufregung im Städtchen
Acht Cowboys und -girls reiten mitten auf einer dreispurigen Hauptstraße durch den Ort. Wir werden wieder bestaunt und fotografiert.

Im Stadtpark machen wir eine Pause. Unsere Pferde dürfen sich stärken. Dann geht es weiter in Richtung Chodowar (auf deutsch "Kuttenplan"). Red Bull lahmt. Wir legen eine Zwangspause ein. Einige unserer Pferde und Jule finden Geschmack an rohen Tortellinis. Red Bulls Eisen hat sich verbogen und droht in seinem Strahl einzuschneiden. Thilo und Rüdiger entfernen das Eisen. Nun hat er nur noch zwei.

Um 12.30 kommen wir in Chodovar an. Seit ca. 9 Uhr regnet es nicht mehr und seit zwei Stunden sehen wir hin wieder die Sonne.

Die Temperaturen sind in letzter Zeit von anfangs ca. 12 ° C auf jetzt ca. 20 ° C gestiegen. Wir gehen in den, seit Tagen hochgepriesenen Bierkeller der Brauerei, (die erste Gruppe war auch schon hier!). Die Haxen und das Schwarzbier sind ein Gedicht. Noch nie habe ich beim Eisbein die Schwarte mitgegessen, aber hier ist sie krustenartig gebacken und das schmeckt, (das Brot lasse ich weg). Ein Palatschinken paßt danach aber trotzdem noch rein! Nach dem Essen kommen wir aus dem Keller und werden von heller Sonne geblendet. Das lädt zu einer Mittagspause auf der Wiese ein. Wir kommen uns vor wie Max und Moritz. Gegen 17.30 Uhr sind endlich alle wieder fit. Es geht weiter. Die Sonne hat die Luft so erwärmt, daß wir gegen 19.30 Uhr wieder eine kleine Pause auf ein Glas Bier einlegen müssen.

Kurz danach geht es weiter. Einige Pferde fangen an zu lahmen. Es fehlen inzwischen doch schon etliche Eisen. Wir bleiben auf einer Wiese im Wald. Wieder kein Wasser! Im Hintergrund hören wir einen Fluß, kommen aber nicht an ihn heran.

Nach unserem heutigen üppigen Mittagsschmaus haben wir immer noch keinen richtigen Hunger. Wir essen Schokolade und Müsliriegel und trinken Bier und Rotwein, wieder mit musikalischer Unterstützung, am heute etwas kleinerem Lagerfeuer. Matthias kümmert sich übrigens immer emsig um Holz!

Die Stimmung ist heute am letzten Abend wie die Musik (Balladen)!

Ich glaube, alle würden gern noch einige Tage anhängen, aber die Zivilisation will uns wohl doch wieder haben (und auch uns wird sie einholen). Das Wetter hält an! Um 22.30 Uhr ist Nachtruhe.

Wir haben einen wunderschönen klaren Sternenhimmel. Von weiten hören wir Rehböcke bellen.
Die Nacht ist kalt.