Wanderritt durch Böhmen – acht Reiter und ein Packpferd
Tagebuchauszüge von Ute Stefan

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Rast an einem Dorfweiher
Ein kühlendes Bad für Reiter und Pferd
Noch ein wenig Sonne ...
Blick über den Böhmerwald

Sonnabend, 17. Juli 2004
Um 7 Uhr wachen wir bei Sonnenschein auf. Auf den Wiesen liegt Tau und der Nebel schwebt märchenhaft darüber.

Langsam packen wir zusammen. Wir haben keine Eile. Es ist der letzte Tag. Allmählich wird es warm. Da den meisten Pferden Hufeisen fehlen, wollen wir nicht die Straße nach Marienbad nehmen, sondern einen weichen Weg, neben dem Fluß entlang. Wir durchqueren den nächsten Ort der ca. 1 km entfernt ist. Laut Karte soll aus ihm ein Waldweg nach Marienbad führen, aber alle Pfade entpuppen sich als Sackgassen (wie schon des öfteren).

Nach zwei Stunden befinden wir uns immer noch im gleichen Ort (Michalovy Hory) und sind mindestens dreimal an ein und der gleichen Gaststätte vorbei (Peinlich!! !). Da es inzwischen fast 12 Uhr ist, entschließen wir uns hier gleich Mittag (oder Frühstück) zu essen und dann bis Marienbad durchzureiten.

Es ist jetzt schon sehr warm. Wir dünsten vor uns hin!

Die Gegend ist hier, nachdem wir einige nicht so schöne Ecken rund um die Ortschaften durchquert haben, sehr malerisch. Weite Wiesen und Felder. Im Hintergrund Wälder und Berge. Wir genießen oft schweigend die Landschaft.

Trotzdem sind wir uns einig, daß uns das Hochmoor besser gefallen hat!

Kurz vor unserem Ziel, reiten wir noch auf ein Bier und den täglichen Palatschinken in ein Wildgehege.

Gegen 18 Uhr treffen wir auf dem Reiterhof ein. Wir bekommen zwei 4-Bettzimmer unter dem Dach mit insgesamt einer Dusche. Es dauert seine Zeit, bis wir alle nacheinander unseren einwöchigen Dreck abgeschrubbt haben!

Um 20.30 Uhr ist Treffen zum Abendbrot. Unsere Kellnerin ist nicht die schnellste und daher dauert alles ziemlich lang. Wir sind schon etwas gereizt. Erst um 23 Uhr haben alle von uns bezahlt. Während des Essens entschließen wir uns, noch einen kleineren Verdauungsspaziergang zum 300 m entfernten Wildgehege zu machen. Dort soll heute ein Countryfest stattfinden. Wir sind etwas neugierig. Vielleicht haben wir Glück und es ist noch im Gange.

Sonntag, 18. Juli 2004
Wir waren zum Countryabend! Für uns war es keine typische Countrymusik. Das liegt wohl daran, daß alles auf tschechisch gesungen wurde und viele Lieder uns vollkommen unbekannt waren.

Jule und Olaf haben ihren ersten Liveauftritt gehabt. Wir wurden von tschechischen Frauen zum Tanzen aufgefordert. Aus Gastfreundschaft taten wir dies auch. Gegen drei in der Frühe gingen wir in unsere Unterkunft. Die Zimmer waren sehr wann. Die Betten sehr gemütlich! Ich habe es dennoch vorgezogen, die letzte Nacht bei den Pferden auf der Koppel zu verbringen. Die Nacht war lau, wie keine vorher in der ganzen Woche.

Frühs sieben Uhr stehe ich auf und gehe zurück in unsere Unterkunft. Nach und nach erheben sich auch die anderen. Wir packen unsere Sachen und verladen schon einiges im Transporter. (Der ist übrigens in der Nacht angekommen. Schade! Wir wären auch heimgeritten.)

Um 8 gibt es Frühstück. Das erste Mal seit einer Woche gesittet am Tisch.
Gegen 9 Uhr verladen wir die Pferde. Alles verläuft gut, bis zu unserem Problempferd Pedro. Diesmal gelingt es, ihn schon nach einer knappen Stunde im Hänger zu haben. Die Heimfahrt verläuft problemlos, aber nachdenklich.

Gegen 14 Uhr kommen wir in Hohenfelden an. Als erstes werden die Pferde abgeladen. Sie haben die Fahrt gut überstanden aber sie schwitzen. Nachdem sie reichlich Wasser und Kraftfutter bekommen haben, dürfen sie endlich auf die Koppel. Morgen können sie sich erst einmal ausruhen, dann kommt der Hufschmied und Dienstag fängt auch für sie der Alltag wieder an.

Für uns ist schon Kaffee und Kuchen vorbereitet. Olaf überrascht uns noch mit tschechischem Bier, frisch aus Blankenhain. Erlebnisse und Erinnerungen werden mit einigen aus der ersten Gruppe ausgetauscht. Allmählich treten alle ihren Heimweg an.


– Nachgedanken –

Die Zivilisation holt uns alle wieder ein! Den einen eher, den Anderen etwas später. Es fällt schwer sich daran zu gewöhnen.
Ich treffe auf viel Verständnis, aber auch auf sehr viel Unverständnis.
Das ist der Preis für ein bißchen Freiheit!

Ute Stefan