Mit 1 PS nach Spanien
in: tours – das Abenteuer-Magazin, 5/1996
Seite: 1

- Thilo Röth mit seinem Pferd Albert Einstein.

- Bienvenidos a España – Willkommen in Spanien!

- Thilo Röth kurz hinter der spanischen Grenze.

- Landschaft in Spanien.
Im Mai ritt er los im thüringischen Weimar: Thilo Röth, Jahrgang 68, mit seinem Pferd Albert Einstein, Jahrgang 91. Fünf Monate später ist Burgos erreicht. Über Santiago de Compostela soll der abenteuerliche Ritt nach Portugal führen.
Auf dem Berg angekommen, vor einem festungsartigen spanischen Dorf, steigt der jugendliche Reiter elegant mit gezogenem Hut vom Pferd. Nein, nicht aus Höflichkeit: Im Hut hat er reife Feigen gesammelt zur Aufbesserung seines Abendessens.
In den seit Jahren von Trockenheit betroffenen Regionen in Nordspanien sind Bäche und sogar Flüsse ausgetrocknet. Viele Dörfer sind von den Bewohnern verlassen und liegen verödet da. Auch größere Ortschaften werden mangels Lebensmittelgeschäft von fahrenden Händlern versorgt. Verpaßt man sie, ist Schmalhans Küchenmeister, Brot, Zucker, Kaffee, Käse und ein paar Oliven werden gekauft, mehr gibt das schmale Budget nicht her. Da müssen die Felder schon etwas Zukost liefern. Ein paar Kartoffeln, die abends am Feuer gebacken werden, und hin und wieder eine Gurke wandern in den Schnappsack. Selten kommt eine selbstgefangene Forelle, im Erdofen gebacken oder überm Feuer geröstet, als Leckerbissen hinzu.
Die Tagesleistung schwankt zwischen 40 und 60 Kilometern, je nach Gelände. Von Monreal, am alten Pilgerweg nach Santiago de Compostela, liegen noch achthundert Kilometer vor ihm bis zum Ziel Cabo de Finisterre, Spaniens westlichstem Punkt.
Achthundert Straßenkilometer sind keine achthundert Kilometer Reitweg. In unserer vom Auto dominierten Verkehrswelt hat man kaum Wege für Radfahrer vorgesehen, geschweige denn für Reiter. Sein Fortkommen ist daher oftmals schwierig und zeitraubend. Größere Orte müssen umgangen werden, Weiden und Felder sind eingezäunt' Hecken und Wälder oftmals undurchdringlich. Leicht erwächst daraus die doppelte Wegstrecke.
Lagerfeuer am Rio Aragön. Zeitweise schauen die Sterne zwischen dicken Wolken hervor, der Fluß rauscht. Das Mundwerk des Abenteurers steht nicht still, endlich kann er einmal wieder deutsch reden. Drei Tage begleiten ihn Verwandte auf der langen Reise. In den Wochen davor ließ die Einsamkeit ihn hin und wieder mit seinem Pferd reden. Die enge Verbundenheit zwischen Reiter und Pferd ist nach fünf Monaten unverkennbar, auch wenn durchaus auch einmal das Roß seinen Kopf durchsetzt.
Nach einem Umtrunk mit gutem Wein aus Rioja ziehen sich die Weggefährten ins Zelt zurück, während der Reiter sich Decke und Sattel zurechtschiebt. Gelegentlich hört man das Pferd grasen und den Reiter ein paar beruhigende Worte zu ihm sprechen.

