Mit dem Pferd von Weimar nach Portugal

- Einstein vor der Kulisse der Pyrenäen.

- Die Pyrenäen auf der französischen Seite.
in: freizeitreiten und fahren 2 / 1996
Am 1. Mai 1995 ritt er los, aus Weimar in Thüringen, Thilo Röth, Jahrgang 68 mit seinem Wallach Einstein.
Die ersten Nächte waren kalt und unruhig. Einen Schlafsack habe ich nicht dabei, die Satteldecke und eine Plastikplane geben mir meinen Schlafkomfort. Bei Regenwetter geht es über die französische Grenze, ohne Kontrolle. Noch bin ich froh gelaunt und der Romantik der neuen Reiseart voll ergeben, da stört der Regen nicht all zu sehr. Auch weiß Einstein mittlerweile, daß es jeden Tag weitergeht. Er macht keine Anstalten mehr, in der Nacht zurückzulaufen, so daß ich ihn frei laufen lassen kann. Weiter als 50 bis 100 m geht er nicht weg. Ein eigener Schlafrhythmus entwickelt sich: eine Stunde Schlaf, aufwachen, nach dem Pferd sehen, weiterschlafen.
Cowboy-Romantik oder mehr?
Was gibt es Schöneres als irgendwo abseits von Dörfern, von Menschen, Autos, Komfort und Konsum, nachts am Lagerfeuer zu liegen, die Sterne über sich, den Sattel als Kopfkissen und das grasende Pferd neben sich? Cowboy-Romantik? Die reine Romantik hält drei bis vier Wochen an, dann wird das Auf- und Absatteln zur Routine, die Handgriffe gehen in Fleisch und Blut über. Habe ich anfangs noch den Kompaß befragt, richte ich mich immer mehr nur nach der Sonne. Straßen will ich meiden, Feld- und Waldwege sind genau das richtige für uns. Es läßt sich natürlich nicht vermeiden, durch Ortschaften zu reiten, ab und zu brauche ich ja neue Lebensmittel. Da werde ich dann immer ausgefragt. So ging es mir auf der ganzen Strecke, in Frankreich, Spanien und Portugal. Immer waren die Leute erstaunt, wenn sie hörten, daß ich allein unterwegs bin, von Thüringen aus, mit ein und demselben Pferd, ohne jegliche Begleitung.
In einem Dorf westlich der Vogesen, blieb ich auf einer "Ranch" und arbeitete für freie Station für mein Pferd und mich. Vier Wochen ließ ich es sich so richtig ausruhen, dann geht es weiter, Richtung Süden. Wir haben wunderschönes Wetter, herrliche Lagerplätze, nette Leute, guten Wein – Frankreich!

