Mit dem Pferd von Weimar nach Portugal

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Ein Wahrzeichen Portugals – der Korkeichenbaum.

in: freizeitreiten und fahren 2 / 1996

Am 7. August in Le Puy
Reiten auf einem uralten Pilgerweg. Auf der Post hole ich die ersten Nachrichten von daheim. Auf dem uralten Pilgerweg, der hier beginnt, geht es weiter in Richtung Pyrenäen. Am hundertsten Tag gönnen wir uns eine gute Flasche Wein. Eine halbe für mich, eine halbe für mein Pferd. Oh, wie schlabberte er das Baguette, mit Rotwein getränkt. - In der Nähe des Somport will ich auf einem einsamen Bergweg hinüber nach Spanien. Am 4. September, dem 125. Tag unterwegs, führt mich mein Weg an einem verlassenen Grenzpfahl vorbei. Eisiger Wind in etwa 3.000 m Höhe bläst uns um die Ohren. Unten, in Jaca, werde ich von Regenwetter empfangen. So langsam muß ich mich daran gewöhnen, daß es Herbst wird. Aber die zweite Etappe ist geschafft. Das Pferd hat sich gut gehalten. Trotz manchmal recht spärlichem Futter hat es ja ständig fast 110 kg auf seinem Rücken. Noch 1.000 km sind es bis nach Santiago de Compostela. Auf dem Pilgerweg, der hin und wieder neben der Straße einhergeht, trifft man viele Wanderer, die alle dem gleichen Ziel zustreben. In den Pilgerherbergen dann kostenlose Übernachtung und am Abend gute Gespräche bei einem Glas Wein.

Am 15. Oktober Santiago de Compostela
Die kleine, alte wunderschöne Stadt liegt in strahlendem Sonnenschein vor mir. Zwei Stunden habe ich Zeit sie mir anzusehen, dann muß ich weiter. Nirgends im Ort kann ich mit dem Pferd unterkommen. Es ist mittlerweile nicht nur mein Pferd sondern ein treuer Freund und Kamerad geworden!

Noch einmal liegen 1.000km vor mir bis zu meinem endgültigen Ziel: Sao Marcos da Serra in Süd-Portugal.

Die große Gastfreundschaft der Portugiesen Und wieder empfängt mich ein Land mit Regen. Dafür sind die Menschen um so gastlicher. Durch Fernsehen, Radio und Zeitung bin ich schon bekannt, so daß es an Futter für mich und mein Pferd nicht mangelt. Auch habe ich meist ein festes Dach über dem Kopf. Von der Liebenswürdigkeit der Portugiesen überwältigt, ist der Regen leichter zu ertragen.

Am 21. November 1995 bin ich am Ziel
Regen und Hitze haben wir überstanden, steile und steinige Wege. Aber auch herrliche Landschaften, alte Dörfer und vor allem viele freundliche Menschen sind uns begegnet. Unvergeßliche Stunden und auch Momente, in denen ich am liebsten aufgegeben hätte. Durchzustehen war es nur durch mein treues Pferd, es ist mir inzwischen so ans Herz gewachsen, daß ich es nicht aufgeben könnte. Zweimal sind wir in einem Sumpf eingebrochen, einmal brach eine Brücke unter uns zusammen, kleine Verletzungen hat es ertragen müssen, Hitze, Sturm, Kälte und dann noch seinen Reiter mit seinem Gepäck; nicht einmal hat es gelahmt, immer ist es vorwärts getrabt... Die Entfernung schmolz dahin. Ich bekam einen anderen Rhythmus. Nur noch das Jetzt und Heute zählte. Morgen ist ein anderer Tag. Eine neue (alte) Reisegeschwin-
digkeit erlebte ich mit meinem Pferd. Eine Reisegeschwindigkeit, welche allem sog. Fortschritt zum Trotz die Jahrhunderte überdauert hat. Da findet man Zeit, zu träumen und nachzudenken. Vor drei Jahren saß ich das erste Mal auf einem Pferd, jetzt kommt es mir vor, als hätte ich nie etwas anderes getan.