Mit dem Pferd von Weimar nach Portugal

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Übernachtung für Ross und Reiter

in: freizeitreiten und fahren 3 / 1996

In freizeitreiten und fahren berichtete Thilo Röth über seine Erlebnisse auf seinem Ritt von Thüringen nach Portugal. Hier nun die versprochene Fortsetzung.
Wieder einmal absatteln. Eine längere Pause ist geplant, einige Sachen müssen repariert werden, große Wäsche ist angesagt. Sonnenschein, glasklares Wasser eines größeren Baches, saftiges Gras. Endlich können wir wieder einmal ein schönes Bad nehmen, endlich haben wir wieder einmal Glück gehabt. Auf einer so lange Tour kann man nicht immer nur mit Sonnenschein rechnen, nicht nur mit Glück. Vor einer Woche erst gab es ein großes Problem.

Ein schlimmer Sturz
Ein schlechter Schmied beschlug meinen „Dicken“ mit schlechtem Eisen. Er stolperte schon öfters, dann ein großer Sturz. Das Pferd stürzt so unglücklich auf den Kopf, dass ich erst denke, der Kiefer ist gebrochen, das Auge schwer verletzt. Schnell aus dem Sattel springen und nachsehen. Das Ganze Maul ist aufgekratzt, die Gelenke der Vorderbeine, die Haut über den Ganaschenknochen blutet auch. Doch der Kiefer ist nicht gebrochen. Schnell den Wassersack vom Sattel schnallen und alle Wunden auswaschen. Mit einem Griff „Ballistol“, das altbewährte Waffenöl, aus der Satteltaschen geholt und alles desinfiziert. Nur das Auge macht mir große Sorgen. Es ist völlig zugequollen, und als ich die Lieder auseinander ziehe, ist es grau. Zu Fuß geht es weiter zum nächsten Ort. Vier Stunden führe ich das Pferd, immer wieder die Schwellung mit einer Mischung aus Wasser und essigsauer Tonerde kühlend. Im Ort gibt es einen Reiterhof. Und nun kommt das eigentlich Negative und nur ein Ausnahmebeispiel: ich darf nicht auf den Reiterhof und bekomme auch kein frisches Wasser! Zum Glück ist der Friedhof nicht weit, denn dort findet man fast immer Wasser. Gnädigerweise rief jemand vom Reiterhof den Tierarzt an, ich brauchte jedoch nicht das Telefongespräch zu zahlen. Der Tierarzt kam etwa eine Stunde später, es war inzwischen gegen 20 Uhr. Er konnte aber auch, solange alles geschwollen war, nichts weiter sagen als: kann sein das es wieder wird – oder es wird blind. Ein schöner Trost. Eine Salbe, die nicht half, kostete mich 90 Franc, (das Geld für drei Tage!), und ein Handschlag – die Fahrtkosten hat er mir nicht berechnet. Zu Fuß suchte ich mir eine Wiese; das Pferd hatte ich auf dem Friedhof getränkt, im Wassersack 4 l zum kühlen. Nach drei Tagen schlug die Salbe immer noch nicht an und ich griff auf ein Hausmittel zurück. In einer Apotheke besorgte ich Kamillentee für das Auge und die Wunden behandelte ich mit Ballistol. Eine Woche später waren die Wunden zu, die Schwellung zurückgegangen du das Auge, bis auf einen stellenweise grauen Schleier, wieder klar. Das Fell glänzte, das Pferd fraß ganz normal und rollte sich wohlig im Gras. Also alles okay!

Einstein wird zur „Wasserratte“
Zurück zum Bach hinter der Roquefort. Nachdem mein Dicker von der Last befreit ist, führe ich ihn in den Bach zum saufen und Baden. Mit dem Tränkeimer aus Segeltuch und der Bürste schwemme ich ihm den Staub eines langen Weges aus der Mähne und dem Schweif. Zufrieden bleibt er stehen und lässt es sich gefallen, dass ich einen Eimer nach dem anderen über ihm ausleere. Erst als ich selber keine Lust mehr habe und ihm einen kleinen Klaps gebe, trottet er auf eine Wiese, um sich schnaufend zu rollen und sich den Wanst mit saftigen Gras vollzuschlagen. Später steht er wieder bis an die Sprunggelenke im Wasser und döst vor sich hin. Wenn ich daran denke, wie wasserscheu er war, als ich losgeritten bin? Die erst Furt in Thüringen: Alles versuchte ich, um das Pferd auf die andere Seite des Ufers zu bekommen. Schließlich nahm ich die Zügel und ging vor ihm her, ohne auf die Tiefen des Wassers zu achten. Bis über die Knie war ich nass. Das Wasser goss ich aus den Stiefeln. Am nächsten Tag habe ich ihn einfach durstig geritten, und als er, um zu saufen an einen Bach ging, genügte ein leichter Schenkeldruck, um ihn ins Wasser zu bekommen. Ohne Gewalt und große Kraftanstrengung, ohne Sporen, Gerte oder Rückwärtsreiten.