Mit dem Pferd von Weimar nach Portugal

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in: freizeitreiten und fahren 3 / 1996

Hier nun, in Frankreich, ist er aus dem Wasser nicht mehr herauszubringen. Jeden sauberen Fluss, jeden See nutzen wir, um zu baden und zu schwimmen. Ich bin mittlerweile am Ufer und Wasche. Mein derbes, ausgebleichtes Jeanshemd liegt schon über den Büschen um zu trocknen, meine Jeans sind zum Glück nicht allzu schmutzig, die Chaps schützen doch ganz gut, nicht nur vor Regen, Kälte, Hitze und Staub, auch vor den Dornen, man sieht es am zerkratzen Leder. Wenig später liegen meine ganzen Sachen inklusive Wolldecke frisch gewaschen über den Büschen. Die Sonne hat ihren höchsten Stand erreicht. Zeit für eine Kaffeepause. Im Schatten einer Eiche wird das Feuer gemacht und gekocht. Bei einer Tasse Kaffee und einer Zigarette betrachte ich mein Zigeunerlager. Es ist so heiß, dass selbst mein Dicker sich hingelegt und alle Viere von sich gestreckt hat, liegend frisst er weiter. Für den Nachmittag habe ich mir vorgenommen, mein Lederzeug zu fetten. Aus Platzmangel habe ich kein Lederfett mit, aber das Universalmittel Ballistol ist auch dafür geeignet. Die Chaps sind zerkratzt, desgleichen die ledernen Satteltaschen. Stofftaschen sind zwar leichter und billiger, hätten aber bestimmt nicht so lange durchgehalten.

Ein Pferd klettert halt nicht über LeiternSchmale Wanderwege, oft so schmal, dass ich mit aller Vorsicht das Pferd durch die engstehenden Bäume durchlotsen musste. Auch absatteln war das ein oder andere Mal angesagt: Gepäck vortragen – zweimal laufen – beim drittem Mal das Pferd holen. Der Pfad war einfach zu schmal. In Frankreich gibt es super Wanderwege, quer durch das Land, ohne allzu oft eine Straße zu berühren. Doch diese Wege sind für Fußgänger ausgelegt, welche logischerweise in den meisten Fällen doch schmaler sind als ein bepacktes Pferd. Es kam auch mal vor, dass der Weg durch eine riesige Schonung führte, d.h. über Leitern war ein über 2 m hoher Drahtzaun zu überwinden. Leider konnte ich meinen Dicken nicht dazu bringen, über Leitern zu klettern – so mussten wir halt durch dichtes Unterholz, um die Schonung herum, unseren Weg suchen. Das sind so einige Probleme, wenn man alleine und unabhängig reisen bzw. reiten will, besonders über längere Zeit und längere Strecke. Sicher hätte ich mir vorher Depots anlegen können, mir Adressen von Reiterhöfen besorgen. Aber grade die Ungewissheit um den nächsten Tag, das nächste Quartier, macht den Reiz dieser Reise aus. Auf sich allein gestellt sein heißt, die volle Verantwortung  für das Pferd übernehmen, heißt eine unzerreißbare Beziehung zum (Kamerad, Freund, Partner) Pferd aufzubauen. Einhundert Prozent gegenseitiges Vertrauen! Es heißt aber auch, einfach und primitiv Leben zu können, sich selber helfen und improvisieren können. Nicht immer ist ein Tierarzt in der Nähe und nicht immer ein Reitsportgeschäft. Das wäre doch aber auch zu einfach, wenn man alles, was kaputt ist, gleich durch Neues ersetzt und nicht er versucht, es selbst zu reparieren. Sicher, auf der Hälfte der Strecke, in Südfrankreich, sah ich schon aus wie ein Satteltramp. Aber alles war funktionsfähig, alles halbwegs sauber, wenn man uns auch schon von weitem den harten und lagen Weg ansah. Auch das hat seinen Reiz.