Wanderritt durch Böhmen – acht Reiter und ein Packpferd
Tagebuchauszüge von Ute Stefan
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Februar 2004 – "Horse Camp" Hohenfelden
Der Tourenplan für dieses Jahr hängt tatsächlich schon aus. Im Juli ist ein "Ritt ins Ungewisse" durch den Böhmerwald geplant. Klingt gut! "Nachzufragen bei Thilo". Das tue ich auch.
Es sollen zwei Gruppen gebildet werden. Die erste Gruppe reitet durch den südlichen Teil von Böhmen, die zweite nimmt den Norden. Das Anmeldebuch ist fast voll. Ich bekomme noch einen Platz in der zweiten Gruppe. Fein! Nun muß es nur noch Juli werden! Die Wochen und Monate vergehen. Vorbereitungen werden getroffen, Futtersäcke, sowie Hüllen für unsere Schlafsäcke genäht. Endlich ist es soweit.
Und hier ist nun mein Tagebuch dazu:
Sonnabend, 10. Juli 2004
Nach einer fast schlaflosen Nacht fahre ich im Morgengrauen nach Hohenfelden. Unsere Gruppe besteht im Moment aus Rüdiger, Olaf, Matthias, Anett und mir, sowie unserem Fahrer Patric.
Um neun Uhr soll Abfahrt sein. Also noch Zeit für einen Kaffee! Dann werden wir mit einem Problem konfrontiert: Pedro (das einzige Pferd, das wir mitnehmen müssen) zieht es vor, den Anhänger nicht zu betreten. Wir versuchen es auf alle Art und Weise. Monty Robberts wäre stolz auf uns gewesen.
Nach 2 Stunden haben wir dank Franziska gesiegt. Endlich, gegen elf Uhr, geht es los. Die Fahrt verläuft problemlos. Gegen 14 Uhr sind wir in Marienbad auf einem Gestüt mit Pension. Pedro kommt auf die Koppel.
Wir gehen Mittagessen. Die Küche ist köstlich. Nach dem Mittag gehen wir für eine Stunde in den Ort. Wieder im Gestüt angekommen müssen wir feststellen, daß der erste Trupp noch nicht da ist. Wir müssen warten und besichtigen den Hof. Die Pferde sind viel zu groß und die Reiter zu verkrampft. Eben typisch englisch. Wir sind froh, daß wir uns für das Westernreiten entschieden haben. Es fängt an zu regnen. In dem Moment hören wir Pferdegetrappel. Sie kommen. Zusammen satteln wir ihre Pferde ab. Auch sie kommen nun auf die Koppel. Erstaunlicherweise sehen sie nach so einem Ritt noch immer gut aus. Nachdem die Reiter die lang entbehrte Dusche genossen haben, treffen wir uns um 22 Uhr zum Abendbrot mit feierlicher Gitarrenübergabe.
Gegen zwei Uhr in der Frühe begeben wir uns zur Nachtruhe. Der erste Trupp in Betten, der zweite in Pferdeboxen und auf Strohballen.
Sonntag, 11. Juli 2004
Um acht Uhr ist gemeinsames Frühstück (allerdings ohne mich, dank Becherovka und viel zu viel Knoblauch). Danach satteln wir die Pferde. Dankbar nehmen wir Tipps der ersten Gruppe an.
11 Uhr ist Abmarsch. Aus dem ersten Trupp wollen Toni und unser Küken Jule (14 Jahre) noch die zweite Woche bestreiten. Und Thilo ist natürlich auch mit dabei. Somit sind wir acht Reiter und neun Pferde. Tamina ist unser Packpferd.
Nachdem es bis 10 Uhr ständig leicht geregnet hat, klart es jetzt langsam auf. Wir sehen sogar ab und zu die Sonne. Bis zu unserer ersten Rast mitten im Wald im Restaurant "Nimrod" regnet es immer wieder mal.
In einem Lokal werden wir doch tatsächlich vom Chef mit Handschlag begrüßt. Nach einem guten Essen, (wir erfahren was "Hemenex" ist. Englische Sprache – schwere Sprache) geht es weiter. Unser Adrenalinspiegel wird erstmalig hochgepumpt. Eigentlich wissen wir, daß wir durch Sümpfe reiten. Aber uns ist nicht bewußt, daß die Wege eben nicht für Pferde vorgesehen sind. Wir können nur noch zusehen, wie Strolch und Pedro in einem Sumpfloch bis zum Bauch versinken. Gott sei Dank können sie sich alleine, mit Unterstützung ihrer Reiter, wieder daraus befreien.
Wir treffen auf nicht enden wollende Weidezäune. Unser Ziel ist ein Aussichtsturm (erbaut 1934, Gewicht 18700 t). Gegen 21Uhr sind wir endlich da.
Die Pferde werden abgesattelt, eine Koppel gebaut und ein Lager errichtet. Wir ziehen vor, uns eine Plane zu spannen um nachts trocken zu bleiben. Gegen 22 Uhr brechen die Pferde das erste Mal aus. Nach dem Abendbrot mit Kaffee am Lagerfeuer begeben wir uns um Mitternacht in unsere Schlafsäcke.
Nach dem ersten Tag fehlt Napoleon ein Eisen.





